Tretlagerstandards soweit das Auge reicht

Da langsam niemand mehr bei den unzähligen Tretlagerstandards durchsieht, wollen wir versuchen etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Prinzipiell unterscheiden sich die Tretlager im Rahmen in zwei große Familien. Entweder sie besitzen ein Gewinde in das dann Lagerschalen geschraubt werden, oder anstatt des Gewindes werden die Lager direkt in den Rahmen gepresst. Es wäre aber nun herrlich einfach, wenn das schon alles wäre. Damit alles herrlich kompliziert wird, gibt es nun noch mehrere Durchmesser, Gewindearten und Gehäusebreiten.

Am einfachsten ist es noch bei den Rahmen mit Gewinde im Tretlager. Am gebräuchlisten ist hier der BSA Standard. Man unterscheidet „nur“ nach der Gehäusebreite. 68mm oder (seltener) 73mm sind hierfür die Rahmenröhre breit. Das Gewinde ist genormt. Kennt man also die Tretlagerbreite, kann man jedes BSA Tretlager reinschrauben.

Bei italienischen Rahmen tritt manchmal anstatt von BSA der ITA Standard auf. Hier findet man auf beiden Seiten ein Rechtsgewinde und die Tretlagerbreite bemisst 70mm. Einige Hersteller wie Heylight oder Tune bieten ihre Tretlager neben BSA auch in diesem Maß an.

Diese beiden Tretlagertypen gibt es Vierkant- oder ISIS-Kurbelaufnahme. Lediglich tune bietet noch einen Sechskant an, der dann nur an deren Fastfood-Kurbeln passt. Die Wellenlänge hängt dann von der Breite des Hinterbaus und der Kurbel ab.

Seit einiger Zeit setzen sich Tretlager durch, bei denen die Lagerschalen seitlich an das Tretlagergehäuse geschraubt werden. Das ermöglicht dickere und steifere Wellen, bringt aber meist einen größeren Q-Faktor mit sich. Shimano nennt dieses System Hollowtech II oder kurz HTII, FSA nennt es Mega-Exo und Campagnolo Ultra Torque. Untereinander sind diese Systeme aber kompatibel.

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Die Tretlager ohne Gewinde unterteilen sich nun in drei Gruppen. Cannondale entwickelte das BB30 Lager. BB30 seht für eine Welle mit 30mm Durchmesser. Die Lager werden hier direkt in den Rahmen gepresst. Die Aufnahme im Rahmen hat einen Durchmesser von 41,96mm. Da die Lager wieder im Rahmen liegen, verringert sich neben dem Q-Faktor auch wieder das Gewicht. Das System scheint sich durchzusetzen, da auch andere große Hersteller Komponenten für dieses System anbieten. FSA, THM Carbones, SRAM oder Specialized sind da nur einige.

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Das Leben wäre so einfach, wenn da nicht einige Hersteller ein ähnliches, aber nicht kompatibles System anbieten würden. Shimano brachte ein PressFit System heraus, was auch BB90 (86,5mm) oder BB92 (92mm) genannt wird. Der Name bezieht sich hier nicht auf den Wellendurchmesser, sondern auf die Tretlagergehäusebreite des Rahmens.

THM oder auch Reset bieten Adapter an, um HTII Kurbeln in BB30 Rahmen fahren zu können. Für Rahmen mit einem 46mm (SRAM) Lagersitz bietet THM einen Adapter namens PressFit30 an. Damit können dann BB30 Kurbeln in diesem Rahmen montiert werden.

Will man sich nun einen neuen Rahmen samt Kurbel kaufen, dann ist ein Rahmen mit BB30 und eine Kurbel mit einer 30mm Welle sehr vorteilhaft. Dieses System wird sich sicherlich durchsetzen. Die meisten anderen Kombinationen sind meist durch Adaptertretlager von Reset, THM oder anderen Hertsellern kompatibel. Viele Kurbeln und Rahmen gbt es in verschiedenen Ausführungen, sodass nur noch sehr wenige Kombinationen unmöglich bleiben.

Tretlager Gehäusebreite Durchmesser Gewinde Presspassung
ITA 70mm 35mm x
BSA 68mm o. 73mm 33,8mm x
BB30 68mm, 73mm o. 85mm 41,96mm x
Shimano Pressfit MTB 92mm 41mm x
Shimano Pressfit Road 86,5mm 41mm x
SRAM Pressfit MTB 68mm 46mm x
SRAM Pressfit ROAD 73mm 46mm x
1 Antwort
  1. Andy says:

    Auch wenn alle Leute auf einen großen Q-Faktor schimpfen, aber ist leider in einigen Fällen nötig, damit die Kurbeln am breiten Hinterbau vorbeipassen. Dieses Problem ist bei der XX-Kurbel aufgefallen. Die gibt es nämlich mit unterschiedlichen Q-Faktoren zu kaufen. Ein schmales Lager ist also kein Garant für einen schmalen Q-Faktor!

    Campas Ultra Torque hat mit dem Rest nur die außenliegenden Lager gemein! Hier sitzen die Lager mit der „festeren“ Passung auf der Achse. Diese werden dann in leere Lagerschalen gesteckt.

    zu den 30mm Wellen:
    Der eigentlich BB30 Standard kommt von Cannondale und ist ein freier Standard (www.bb30standard.com). Er kann also von jedem genutzt werden. Er hat aber einen Nachteil: Die Lager stehen im 68 bzw. 73mm breiten Gehäuse näher zusammen. Die geringere Stützbreite wirkt sich negativ auf die haltbarkeit der Lager aus. Nachzulesen bei http://www.thm-carbones.de/thm/Innenlager.htm . Hier haben außenliegende Lager Vorteile. Die geschraubten Lager waren eigentlich nur notwendig, um die großen Lager an den alten Innenlager-Standard zu bekommen. Die Pressfit-sachen sind einfach nur weiter gedacht und bieten beim Rahmenbau mehr Platz um z.B. ein voluminöseres Unterrohr anzubinden!

    Die Sram Pressfit Lager sind für BB30 Kurbeln, benötigen aber ein anderes Tretlagergehäuse als der BB30 Standard. Shimanos Pressfit ist für 24mm Wellen!
    Und um die Verwirrung komplett zu machen: Das Teil von THM ist nicht für BB30 Kurbeln gedacht, sondern um die Calvicula in einem BB30-oder PF30-Rahmen zu fahren. THM setzt nämlich auf eine 30mm Welle mit außen angeschraubten Lagern, also einer größerne Stützbreite zwischen den Lagern!

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