Die etwas andere Federgabel – Cannondale Lefty

Vor über zehn Jahren brachte Cannondale die „halbe“ Gabel auf den Markt und teilte damit die Zweiradwelt in Lefty-Lover und Lefty-Hasser. Doch das Ganze ist nicht nur ein optischer Hingucker sondern hat auch funktionelle Relevanz. Die technische Grundlage für die Lefty bildete die Cannondale (Headshok) Fatty mit der Federung im Gabelschaft. Auch hier gab es schon den Unterschied zu konventionellen Teleskopgabel, bei denen ein verbundenes Rohrpaar in ein anderes gleitet. Hier findet ihr jetzt ein paar Erklärungen zum Federungssystem von Cannondale.

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Ansprechverhalten:

Bei anderen Gabeln rutscht das innere Rohr in (i.d.R.) in zwei Gleitbuchsen im äußeren Rohr. Dabei muss die Haftreibung überwunden werden. Und weil sich zwei ineinander gleitende runde Rohre verdrehen können, besteht eine Teleskopgabel aus zwei solchen Rohrpaaren, die (mehrfach) miteinander verbunden sind. Nur so kann das Laufrad in der entsprechenden Fahrtrichtung gehalten werden. Und weil diese Verbindungen nicht unendlich steif sind, beeinflussen sich die beiden Seiten und „verkanten“ und erhöhen die Reibung. Bei der Lefty (und auch der Fatty) sind die ineinander gleitenden Rohre viereckig ausgeführt und können sich somit nicht ineinander verdrehen, weswegen ein Rohrpaar genügt. Zwischen Innen- und Außenrohr befinden sich Bänder mit jeweils 22 dünnen Zylinderrollen die innen und außen auf gehärteten Laufbahnen rollen. Deswegen wird oft von 88 (4 x 22) Nadellagern gesprochen. Weil bei dieser Lösung „gerollt“ und nicht „gerutscht“ wird, ist das Ansprechverhalten wirklich aller erste Sahne. Und der Unterschied bewegt sich hier nicht im theoretisch vorhandenen Bereich, sondern ist wirklich spürbar (Probefahren!).

Gewicht:

Grob gesagt kann man vom Prinzip ausgehen: Weniger Teile = Weniger Gewicht. Aber das ist nicht ganz die Wahrheit. Cannondale arbeitet in großem Umfang mit Integration. So ist z.B. beim OPI-Unterteil der Lefty die Achse direkt integriert. Darüber hinaus bietet Cannnondale eine Vorbau-Schaft-Einheit an. Hier heißt es immer: Das Systemgewicht zählt! Aufpassen beim Gabelvergleich, denn Leftys werden meist ohne Schaft gewogen. Aber eins ist klar: die Leftys gehören zu den leichtesten Gabeln am Markt und das bei einer Top Steifigkeit!

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Steifigkeit:

Die Lefty ist nicht nur verhältnismäßig zu ihrem Gewicht steif, sondern auch absolut steifer als viele Gabeln. Das hat mehrere Gründe: Die Doppelbrückenkonstruktion, welche sich oberhalb und unterhalb des Steuerrohrs abstützt, kommt sonst bei Downhillgabeln zum Einsatz. Einen weiteren Steifigkeitsvorteil bringt die Upsidedown-Bauweise. Hier wird das dickere Außenrohr nach oben in die Einspannung gelegt. Im groben gesagt, sind dicke Rohre auf Biegung steifer als dünne Rohre. Warum eine solche Anordnung Sinn macht, erklären die Grundlagen der Statik.

Wird ein Balken auf einer Seite eingespannt und auf der anderen Seite belastet, kommt es zu einer Biegung des Balkens. Dabei steigt das Biegemoment von der Krafteinleitung bis zur Einspannung hin an. Um dem entgegenzuwirken ist es sinnvoll, den Balken in der Einspannung steifer zu gestalten als in der Krafteinleitung. Bei der Lefty ist nicht nur das Gabelbein an dieser Stelle mit 1,6“ (ca. 40,6mm), sondern auch der Gabelschaft mit 1,56“ (ca. 39,6mm) deutlich dicker als konventionelle Gabeln. Auch die Einheit von dicker Achse (konifiziert von 15mm auf 25mm), Achsaufnahme und unterem Gabelbein tragen zur Steifigkeit bei. Die Vierkant-Überlappung mit Nadellagern trägt auch in diesem Bereich zur hohen Gesamtleistung bei.

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Kompatibilität:

Grundlegend ist die Lefty für Cannondale-Rahmen mit entsprechenden Steuerrohrmaß vorgesehen. Durch Adapter (inzwischen auch von Cannondale selbst) lässt sich die Lefty auch in Rahmen mit 1 1/8“ Steuerrohr bauen (wenn einige Gegebenheiten passen). Darüber hinaus wird eine spezielle Nabe benötigt, die seitlich auf die Achse gesteckt und anschließend verschraubt wird. Dadurch muss beim Radausbau der Bremssattel gelöst werden, damit man die Bremsscheibe an der Nabe seitlich entfernen kann. Abhilfe schafft hier das System von Leonardi Racing, welches die Bremsscheibe von der restlichen Nabe entkoppelt und via Schnellspanner befestigt wird. Das System findet ihr evtl. bald in unserem Onlineshop – liegt alles schon da 🙂 Nebenbei sei noch gesagt, dass man das Laufrad für Schlauch- und Reifenwechsel in der Gabel belassen kann.

PS.: Wer sich weiter über die Lefty informieren will, dem sei Eighty Aid empfohlen. Diese Firma kann als Haustuner für Cannondale/Headshok-Gabeln angesehen werden und hilft bei Sevice und Tuning.

In diesem Youtube-Video erklärt Larry Westney von Eighty Aid eindrucksvoll die Vorteile der Lefty. Wer sich das Video angeschaut hat möchte wahrscheinlich nie wieder eine konventionelle Gabel haben 😉

Viel Spaß mit dem einarmigen Banditen!

Andy

2 Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. Anonymous sagt:

    […] Hmm ob das Sinn macht? Die technik ist m.E. die gleiche wie bei der fatty. Aber sieht eben cool aus^^ Auf jedenfall brauchste neue Naben! 100m sollten reichen. Die Fatty gabs nur bis 80 oder 100. Gabeltausch Cannondale Lefty Ultra PBR 100 2011, Bike Market Megastore 24/7 und hier was zur TEchnik: r2-bike Blog Archive Die etwas andere Federgabel – Cannondale Lefty […]

  2. […] schon im Lefty-Beitrag berichtet, benötigt diese tolle Gabel eine spezielle Nabe. Durch die Montagerichtung auf der Achse […]

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